Kategorie: Geheimnis und Verbrechen

Die Richterin – Conrad Ferdinand Meyer

»Precor sanctos apostolos Petrum er Paulum!« psalmodierten die Mönche auf Ara Cöli, während Karl der Große unter dem lichten Himmel eines römischen Märztages die ziemlich schadhaften Stufen der auf das Kapitol führenden Treppe emporstieg. Er schritt feierlich unter der Kaiserkrone, welche ihm unlängst zu seinem herzlichen Erstaunen Papst Leo in rascher Begeisterung auf das Haupt […]

Das gelbe Haus – René Schickele

Martha diente als Kammerzofe beim Baron Neufville, Michael als Gärtner. Sie waren, ohne einander zu kennen, am selben Tag aus Deutschland gekommen, stammten beide aus der Kölner Gegend, hatten sich am selben Tag beim Baron verdingt. Sie waren wohl auch von gleichem Alter. Als sie an jenem Sommerabend zusammen aus dem Parktor gingen, wußten sie […]

Zwei Schicksalswege – Wilkie Collins

S Einleitung Der Gast schreibt und erzählt die Geschichte der Mittagsgesellschaft eit meine Frau und ich die Vereinigten Staaten verließen, um England einen Besuch abzustatten, sind viele Jahre verflossen. Wir waren natürlich mit vielen Empfehlungsbriefen versehen. Der eine davon war von dem Bruder meiner Frau geschrieben. Er sollte uns bei einem englischen Gentleman einführen, der […]

Zwei Kurzgeschichten – Wilkie Collins

D I. ie Gäste würden sich über ihren Besuch im Landhause des Baron Peter gefreut haben — wäre nicht Herr Cosway gewesen. Und was die Sache noch schlimmer machte, nicht Herr Cosway war es, sondern die Gäste, die zu tadeln waren. Sie wiederholten in größerem Maßstabe die alte Geschichte von Adam und Eva. Die Frauen […]

Woyzeck – Georg Büchner

Hauptmann: Langsam, Woyzeck, langsam; eins nach dem andern! Er macht mir ganz schwindlig. Was soll ich dann mit den 10 Minuten anfangen, die Er heut zu früh fertig wird? Woyzeck, bedenk Er, Er hat noch seine schönen dreißig Jahr zu leben, dreißig Jahr! Macht dreihundertsechzig Monate! und Tage! Stunden! Minuten! Was will Er denn mit […]

Weihnachtsabend – Theodor Mügge

E s begab sich an einem kalten und stürmischen Dezemberabende des vergangenen Jahres, daß tief im untersten Grunde eines mächtigen fünfstöckigen Hauses, welches im comfortabelsten Theile der Stadt, dicht an der schönsten und vornehmsten Straße steht, ein fleißiges junges Ehepaar emsig arbeitend beisammen saß, als es beinahe Mitternacht schlagen wollte. Dies fleißige Pärchen gehörte zu […]

Wanda – Karl May

Unter allen Gesellschaften der Stadt war »die Erheiterung« die beliebteste. Zwar gehörten ihre Mitglieder ohne Ausnahme dem gewöhnlichen Handwerkerstande an; aber bei all’ ihren Zusammenkünften und Vergnügungen herrschten anständiger Ton und löbliche Sitte, und da die dem einfachen Bürgersmanne mehr als dem Höhergestellten eigenthümliche Gemüthlichkeit ihre Anziehungskraft auch nach oben äußert, so ließen sich sogar […]

Wachtmeister Studer – Friedrich Glauser

Der Gefangenenwärter mit dem dreifachen Kinn und der roten Nase brummte etwas von »ewigem G’stürm«, – weil ihn Studer vom Mittagessen wegholte. Aber Studer war immerhin ein Fahnderwachtmeister von der Berner Kantonspolizei, und so konnte man ihn nicht ohne weiteres zum Teufel jagen. Der Wärter Liechti stand also auf, füllte sein Wasserglas mit Rotwein, leerte […]

Versöhnt und gesühnt – Wilhelm Anthony

Und noch immer keine Aussichten? Ich sehe es an deinen finstern Mienen, daß auch dieser Weg ein vergeblicher war! Schon ist es Mittag! Um sechs Uhr fährt das Schiff ab. Schon zweimal waren die Leute hier, um die Koffer zu holen. Der Hauswirth aber weigert sich, dieselben, herauszugeben, so lange die rückständige Miethe nicht bezahlt […]

Verschwindende Diamanten – Matthias Bodkin

Der Engelhorn Verlag war ein in Stuttgart ansässiger Buchverlag. Dieser wurde 1860 von Johann Christoph (auch Jean) Engelhorn (1818-1897) gegründet. In seinen Anfangsjahren legte der „Verlag von J. Engelhorn“ zunächst naturwissenschaftliche und handelswissenschaftliche Werke auf. Ab 1863 gab das Unternehmen die kunstgewerbliche Zeitschrift „Die Gewerbehalle“ heraus. Kurze Zeit später folgte der „Möbel-Basar“. Ab 1874 publizierte […]

Verbergen und Suchen – Wilkie Collins

U Verbergen. EingangsKapitel Eines Kindes Sonntag. m ein Viertel auf ein Uhr, an einem nassen Sonntagnachmittag im November des Jahres 1837, verließ Samuel Snoxell, Laufbursche bei Master Zacharias Thorpe, wohnhaft BaregroveSquare in London, den Hauseingang mit drei Regenschirmen unter dem Arme, um seinen Herrn und seine Herrin beim Schlusse des Frühgottesdienstes an der Kirchtür zu […]

Unterm Birnbaum – Theodor Fontane

Vor dem in dem großen und reichen Oderbruchdorfe Tschechin um Michaeli 20 eröffneten Gasthaus und Materialwarengeschäft von Abel Hradscheck (so stand auf einem über der Tür angebrachten Schild) wurden Säcke, vom Hausflur her, auf einen mit zwei magern Schimmeln bespannten Bauerwagen geladen. Einige von den Säcken waren nicht gut gebunden oder hatten kleine Löcher und […]

Thomas Bruck, der Sträfling – Walter Kabel

Der alte Gefangenaufseher Lietzner klapperte heute so vergnügt mit den Schlüsseln, als er vormittags zehn Uhr den langen Flur des Zuchthauses hinabschritt und vor der Tür der Zelle Nr. 108 halt machte. Er schloß auf. Der Insasse der Zelle erhob sich von seinem Schemel, wie es Vorschrift war. »Morgen, Herr Bruck,« sagte Lietzner und nickte […]

Schwarzwaldau – Carl von Holtei

Schwarzwaldau liegt in einer flachen Sandgegend, seitab von der alten Straße zwischen Dresden und Berlin. Es ist, worauf schon sein Name hindeutet, von tiefen, weitverbreiteten, herrlich bestandenen Nadelholz-Waldungen umgeben, in denen zur Zeit unserer Erzählungen die mörderischen Aexte schachernder Holzhändler und ihrer Regimenter 1 verhältnißmäßig noch wenig gewüthet hatten, weil weder eine große Stadt, noch […]

Schüsse in der Nacht – Annie Hruschka

Yolanthe von Rittler zog leise das kleine Seitenpförtchen, durch das sie aus dem Park ins Schloss Kreuzstein getreten war, hinter sich zu und drehte tief aufatmend den Schlüssel um. Selbst die Sicherheitskette legte sie noch vor, so unheimlich und ängstlich war ihr plötzlich zumute. War das aber eine Nacht geworden nach dem schönen Abend vorhin! […]

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