Kategorie: Poesie

Waldmeisters Brautfahrt – Otto Roquette

Auf einer Wandrung war es. Die Genossen Sie schweiften zögernd noch durch Wald und Thal, Ich selber fand umgrünt von Rebensprossen, Vor Nacht schon auf die Herberg’ unsrer Wahl, Schon harrte unter frühlingsgrünem Laub Duftenden Maiweins voll gewicht’ge Schale, Die Reben schüttelten den Blüthenstaub, Und dunklen Fittichs zog die Nacht zu Thale. Das war ’ne […]

Vorschule der Ästhetik – Jean Paul

§ 1 Ihre Definitionen – § 2 Poetische Nihilisten – Versäumung der Naturschule – § 3 Poetische Materialisten, Beispiele unpoetischer Nachäffung der Natur – Nachahmung derselben ist etwas Höheres als deren Wiederholung – § 4 Nähere Bestimmungen der schönen Nachahmung der Natur – Definitionen der Schönheit, von Kant, Delbrück, Hemsterhuis – § 5 Anwendung der […]

Vier Gedichte – Edgar Poe

Mitternacht umgab mich schaurig, als ich einsam, trüb und traurig, Sinnend saß und las von mancher längst verklung’nen Mähr’ und Lehr’– Als ich schon mit matten Blicken Im Begriff, in Schlaf zu nicken, Hörte plötzlich ich ein Ticken An die Zimmerthüre her; »Ein Besuch wohl noch,« so dacht’ ich, »den der Zufall führet her– Ein […]

Tantum dic verbo – Konrad Weiß

Leicht wallt Gewölke vor dem Mond hin, weißen Atem haucht die Nacht aus, leise flüstern die Blätter dem Wind nach, die Seele tritt aus ihrem dunklen Bild heraus. Frage ist auf Frage Antwort nur, schied die letzte, zittert noch der Mund, stößt die Seele jäh auf den verborgnen Grund, nächtens weckt die Mutter auf ihr […]

Tantalus – Konrad Weiß

Ich war über dem Wasser des Denkens eingeschlafen. Da siedelte der Traum eine Insel auf mir an. Oder vielleicht war es noch mehr das gleichförmig wiederkehrende Brausen eines Grames gewesen, über dem ich einschlief. Denn ich lag auf dem bohrenden Wirbel eines Strudels, der unter meinem Rücken heraufstieg, und je mehr ich mich nun gegen […]

Sonnette – William Shakespeare

Von schönsten wesen wünscht man einen spross Dass dadurch nie der schönheit rose sterbe: Und wenn die reifere mit der zeit verschoss Ihr angedenken trag ein zarter erbe. Doch der sein eignes helles auge freit Du nährst dein licht mit eignen wesens loh · Machst aus dem überfluss die teure-zeit · Dir feind und für […]

Silberne Saiten – Stefan Zweig

Was ins Weite einst geflogen, Einzeln, ein verlorner Klang, Ruht hier, Blatt an Blatt gebogen, Träumerstunden stiller Sang. — Nun geht’s weithin auf die Reise. Allen giebt es wohl nicht viel, Aber mir erklingt d’raus leise Meiner Jugend Sehnsuchtsweise Und mein innres Glockenspiel . . . Das Lebenslied. . . . Und jedes Lebensmal, das […]

Sämtliche Werke – Heinrich Heine

Diese neue Ausgabe des »Buchs der Lieder« kann ich dem überrheinischen Publikum nicht zuschicken, ohne sie mit freundlichen Grüßen in ehrlichster Prosa zu begleiten. Ich weiß nicht, welches wunderliche Gefühl mich davon abhält, dergleichen Vorworte, wie es bei Gedichtesammlungen üblich ist, in schönen Rhythmen zu versifizieren. Seit einiger Zeit sträubt sich etwas in mir gegen […]

Sämtliche Gedichte – Conrad Ferdinand Meyer

Genug ist nicht genug! Gepriesen werde Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte! Tief beugt sich mancher allzureich beschwerte, Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zur Erde. Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube! Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde! Die trunknen Wespen summen in die Runde: „Genug ist nicht genug!“ um […]

Sämmtliche Werke – Konrad Grübel

Schon im Jahre 1812 haben wir, mein Freund Dr. Osterhausen und ich, das vierte Bändchen der Gedichte unsers verstorbenen Freundes Grübel, welches er selbst nach sorgfältiger Durchsicht zum Drucke bestimmt hatte, herausgegeben. Während dieser Zeit hat die Campesche Buch- und Kunsthandlung zu Nürnberg den Verlag von Grübels Gedichten übernommen, die nun hier, neu aufgelegt, in […]

Romanzero – Heinrich Heine

Wenn man an dir Verrat geübt, Sei du um so treuer; Und ist deine Seele zu Tode betrübt, So greife zur Leier. Die Saiten klingen! Ein Heldenlied, Voll Flammen und Gluten! Da schmilzt der Zorn, und dein Gemüt Wird süß verbluten. Rhampsenit Als der König Rhampsenit Eintrat in die goldne Halle Seiner Tochter, lachte diese, […]

Poetische Werke – William Shakespeare

Ich weiß nicht, ob ich Ew. Lordschaft nicht beleidige, indem ich meine ungeglätteten Verse darbringe, und ob mich die Welt nicht dafür tadeln wird, daß ich einen so starken Pfeiler erwähle, um eine so schwache Last zu stützen. Sollte ich aber Ew. Edlen Beifall finden, so würde ich das für das größte Lob halten und […]

Phantasus – Arno Holz

Nacht. Der Ahorn vor meinem Fenster rauscht, von seinen Blättern funkelt der Thau ins Gras, und mein Herz schlägt. Nacht. Ein Hund . . . bellt, . . . ein Zweig . . . knickt, — still! Still!! Du? . . . Du? Ah, deine Hand! Wie kalt, wie kalt! Und . . . deine […]

Odyssee – Homer

Ratschluß der Götter, daß Odysseus, welchen Poseidon verfolgt, von Kalypsos Insel Ogygia heimkehre. Athene, in Mentes Gestalt, den Telemachos besuchend, rät ihm in Pylos und Sparta nach dem Vater sich zu erkundigen, und die schwelgenden Freier aus dem Hause zu schaffen. Er redet das erste Mal mit Entschlossenheit zur Mutter und zu den Freier. Nacht. […]

Novellen in Versen – Paul Heyse

Es giebt ein Buch, vor Zeiten vielbewundert, Bei Niedrigen und Hohen wohlgelitten, Ein welterfahrner Tröster, dessen hundert Geschichtlein sanft in Ohr und Herzen glitten, In unserm höchst anständigen Jahrhundert Verpönt indeß ob allzufreier Sitten, Ein Lustwald voll der schönsten Abenteuer, Nur, wie die Sage geht, nicht ganz geheuer. Doch Stellen giebt’s in dem verrufnen Hain, […]

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