Schlagwort: Gabriele Reuter

Ins neue Land – Gabriele Reuter

Die Schwester stand mit dem Arzt auf dem kleinen Flur vor dem Parterresaal der Verwundetenbaracke. »Wie geht’s unserm Finsteren?« fragte der junge Doktor im weißen Operationsmantel, mit der unpersönlichen Heiterkeit, die Ärzten und Pflegerinnen im Verkehr untereinander und mit den Patienten zur Gewohnheit geworden ist. »Wieder etwas Temperatur, der geistige Zustand derselbe, schwere Depression. Antwortet […]

Frauenseelen – Gabriele Reuter

Nein — so ging es nicht weiter. Sie konnte ihr Leben, wie es jetzt war, nicht länger ertragen und sie wollte auch nicht! Fort, fort — gleichviel wohin! Nur ein paar Tage lang andere Luft atmen. Fremde Möbel um sich sehen und unbekannte Menschen, die sie nicht bemitleideten. Andere Wege wandern — Wege, von denen […]

Ellen von der Weiden – Gabriele Reuter

Breit und hell fiel ein Strahl der Frühlingssonne durch das verstaubte Bogenfenster einer Dorfkirche. Er durchschnitt als warmer, glänzender Streifen die graue Dämmerung und verlor sich hinter weißem Gitter in den schattigfeuchten Tiefen des Pfarrstuhles, den mehrere festlich gekleidete Herren und Damen besetzt hatten. Mitten in der Lichtbahn stand die Konfirmandin vor demAltar. Das kleine […]

Der Amerikaner – Gabriele Reuter

Die Buchenwipfel schauerten im Morgenwind. Aus den schattigen Gründen stieg eine scharfe Kühle, ein feuchter Tauatem des jungen Gekräutes empor, und schwankend zitterten die beperlten Sträucher unter dem Sprühregen der stürzenden Wasser. Im brausenden Übermut der schneegenährten Frühlingswildheit sprang der Bergbach weißschäumend die Felsenwand hinab und übersprudelte im Grunde das glattgewaschene Gestein. Der alte Herr […]

Das Tränenhaus – Gabriele Reuter

Das kleine Haus lag in einer freundlichen Wiesengegend Württembergs. Oben auf dem höchsten Punkt des lang hingestreckten Hügels hob ein graues Grafenschloß seine Dächer über das Grün der Parkbäume, die Dorfstraße mit den Bauernhöfen zog sich über den Rücken der Erdhebung. Unten, wo der helle junge Fluß durch Weidengebüsch und über weiße Kiesel plätscherte, gab […]

Aus guter Familie – Gabriele Reuter

Breit und hell fiel ein Strahl der Frühlingssonne durch das verstaubte Bogenfenster einer Dorfkirche. Er durchschnitt als warmer, glänzender Streifen die graue Dämmerung und verlor sich hinter weißem Gitter in den schattigfeuchten Tiefen des Pfarrstuhles, den mehrere festlich gekleidete Herren und Damen besetzt hatten. Mitten in der Lichtbahn stand die Konfirmandin vor demAltar. Das kleine […]

Vom Kind zum Menschen – Gabriele Reuter

Der Herrgott hat es gut mit mir gemeint. Von Nord und Süd und aus der Mitte unseres vielgestaltigen deutschen Vaterlandes hat er tüchtige, originelle, kluge und wunderliche Leute zusammengebracht; wie es mir scheinen will, nur dem einen Zwecke, einem kleinen Mädchen ans Weltlicht zu verhelfen, es zu seiner Erdenfahrt mannigfach auszustatten. Freilich hätte nach all […]

Marie von Ebner-Eschenbach – Gabriele Reuter

Marie von Ebner-Eschenbach geborne Gräfin Dubsky beging am 13. Sept. 1900 die Feier ihres siebzigsten Geburtstages. Sie durfte es erleben, dass Deutschland und Österreich sich vereinten, ihr die gemeinsame Freude an ihrem Lebenswerk, ihrer Dichtung in zahllosen Zeichen der Liebe und Verehrung zu beweisen. Ihr Name, die Daten ihres Lebens, eingehende Besprechungen ihrer Novellen, ihrer […]

Annette von Droste-Hülshoff – Gabriele Reuter

Du schreibst mir, liebe Freundin, es sei dir widerlich, zu sehen, wie kleine Talentchen sich in ihrer Lebensführung als Genies aufspielen und alle Rechte für sich in Anspruch nehmen wollen, die denn doch nur den auserlesenen und seltenen künstlerischen Phänomenen gewährt werden dürften. Denen freilich, den Führern unter den vielen, möchtest du solche Rechte nicht […]

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