Schlagwort: Nataly von Eschstruth

Katz‘ und Maus – Nataly von Eschstruth

Nun so redet!« sprach Abt Wunfried, Griff bedächtig nach dem Humpen, Neigte sich, warf einen schnellen Blick in seine Purpurtiefe, Wo die grellen Lichtreflexe Funken gleich im Weine tanzten, Hob ihn an die schmalen Lippen Und that einen knappen Zug. — Gegenüber an der Tafel, Vor dem unberührten Becher Saß, dem diese Worte galten, Finsterblickend, […]

Wolfsburg – Nataly von Eschstruth

ief im Hessenland, verloren in endlos gedehnten Waldungen, auf einsamer Bergkuppe ragend, steht eine Ruine, die »Wolfsburg« genannt. Wenig Mauerreste zeugen von ihrer Vergangenheit, ein halbzerfallener Turm, eine zackig gebrochene Mauer, durch deren spitze Bogenfenster man hinab auf die rauschenden Waldeshäupter blickt, welche einförmig in dunklen Wogen hinwallen, wie ein unermeßliches und ununterbrochenes Meer, das […]

Vae Victis – Nataly von Eschstruth

Er war eitel — sehr eitel! So eitel, wie nur ein junger Mann sein kann, der von Kindesbeinen auf als »Ausbund von Schönheit, Witz und Talent« verhätschelt ward, und nachdem er die schmucke Uniform eines Gardeleutnants trug, als Löwe des Tages auf glänzender Siegesbahn einherschritt. Wie liebenswürdig, wie amüsant und hübsch war der Freiherr Bonaventura […]

Frühlingsstürme – Nataly von Eschstruth

Die Sonntagsglocken läuteten. Tiefe Stille lag über den Straßen der Hauptstadt, aber nicht die friedliche, erquickende Feiertagsruhe, wie sie voll heiliger Klarheit über Wald und Flur ausgebreitet liegt, sondern eine dumpfe Regungslosigkeit, ein Schweigen, wie dasjenige schwerster Erschöpfung, wie eine Todmüdigkeit, welche mit halboffenen Augen in bleiernen Schlaf sinkt. – Glühend heiß brütete die Mittagssonne […]

Der Irrgeist des Schlosses – Nataly von Eschstruth

Es war im Juni. Blendende Sonnenglut lag auf dem weit gedehnten Häuserkomplex der Kadettenanstalt, flimmernd, wie ein unabsehbares Strahlennetz, welches mit tausend feinen Goldmaschen Himmel und Erde umsponnen hält. Die jungen Gartenanlagen standen matt und welk, einzelne Schmetterlinge hingen an den Blumen, und die Fliegen blitzten wie übermüthige Gedanken durch die Luft, ebenso bunt und […]

Hazard – Nataly von Eschstruth

Ein köstlicher Septembertag! — Der Himmel spannt sich weit und fleckenlos über die Ebene in einem wunderlichen Farbengemisch von Grau und Blau, welches trotz seiner Klarheit aussieht, als zittere ein ganz feiner Dunstschleier darüber hin. Nach dem Horizonte zu färbt sich derselbe gelblich. — Ueber den Stoppelfeldern schwirren die Lerchen und Staare, schwankt hie und […]

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