Versuch einer Selbstbiographie – Julie Burow

Sie wünschen meine Biographie für die Leser Ihres Albums, und weil Sie es wünschen, Sie, dem ich so viele frohe Stunden verdanke, den ich so herzlich schätze und gegen den ich so mannigfache Verpflichtungen habe, will ich versuchen, das Unmögliche möglich zu machen. Lächeln Sie nicht, mein Freund! eine Frauenbiographie zu schreiben, ist wahrlich fast unmöglich, wenn dieselbe nämlich sich nicht in Memoirenform der Zeitgeschichte anschließen, sondern die eigene Geistesentwickelung dem Leser vorführen soll. Frauen können Memoiren schreiben, Biographien nicht, das beweist selbst George Sand, diese Frau von hohem Talent und ungewöhnlicher Seelenkraft. Die Geschichte der geistigen Entwickelung einer Frau ist die Geschichte ihres Herzens; denn nur unter dem Einfluße des Herzens reift der Geist des Weibes, aber einzig das Auge des Allliebenden soll, darf und kann in die Tiefen des Herzens schauen; sie verschließen sich beim Weibe wie die Schale der Perlmuschel mit krampfhafter Festigkeit bei jeder Berührung von außen. Ja! und sie haben mit der Perlmuschel noch eines gemeinschaftlich. Die Perlen des Genies in einer weiblichen Seele sind wie die in der Muschel Früchte des Leidens. Es sind nach innen geweinte Thränen. Daß ich dem Publikum die Geschichte meines Herzens erzählen soll, würden Sie nicht fordern; doch wäre dieß das Einzige, was wahrhaftes Interesse erwecken könnte, denn die innerliche Ausbildung jedes Menschenherzens ist wichtig und interessant. Ich möchte Ihnen und Ihren Lesern nun aber doch gern etwas besseres geben als jene Lebensgeschichte, die Gellert erzählt: „Er ward geboren, Er lebte, nahm ein Weib und starb.“ So will ich denn versuchen, die Erinnerung an die Gefühle und Gedanken, an das Glück und die Leiden meiner Vergangenheit, soweit sie erzählbar sind, zu sammeln und Ihnen hier zu übergeben, vielleicht findet ein oder das andere junge Herz sein eigenes Ich in dem Spiegel dieser Erinnerungen wieder. Eine nun 50jährige eigene Erfahrung hat mich gelehrt, daß man genau diejenige Summe echten innern Glückes besitzt, die man durch echtes aufrichtiges Streben nach dem Guten und Wahren erwirbt; denn Glück ist nicht Befriedigung unserer Wünsche — in tausend Fällen wäre diese sogar unser höchstes Unglück — Glück ist die Gesundheit der Seele, die uns wie die Gesundheit des Leibes fähig macht, alles, was das Geschick über uns verhängt, in uns selbst so zu verarbeiten, daß es zur Erkräftigung, Verschönerung, mit einem Worte, zur Ausbildung unseres Ichs beitrage. Doch ich will mich nicht in Reflexionen ergehen, sondern erzählen, und zwar so wahr und zwanglos, als wären Sie, mein werther Freund, mein einziger Zuhörer. Ihnen erzähle ich in Wahrheit auch, was eine Frau von dem eigenen Leben erzählen kann, und wenn Sie es dem Publikum zu übergeben für gut finden, sehen Sie auch zu, wie es damit zufrieden ist. [Versuch einer Selbstbiographie] Erinn’rung! trage mich auf Schwanenflügel In meiner Kindheit Heiligthum zurück! Zeig lächelnd mir in Deinem Demantspiegel Ihr längstvergang’nes, unschuldvolles Glück! Die Blüten, die gereift des Lebens Gluten, Laß sie mich einmal noch als Knospen schau’n, Laß mich’ des Daseins trügerischen Fluten Noch einmal voll und ganz und froh vertrau’n! Laß mich aus Deinem heil’gen Becher trinken Den kühlen Trank vergang’ner Seligkeit! Doch — mag in Lethe tief und still versinken, Was ich gefehlt, gelitten und bereut. Ein hellerleuchtetes, niedriges Zimmer, ein gedeckter Tisch, darauf ein Kuchen mit Wachslichtchen und eine Blumenkrone darüber, an welcher lange hochrothe Bänder herabflattern; viele freundliche Menschen, die mich anlachen, herzen und küssen: das ist meine erste, deutliche Erinnerung.

Ihr folgt ein Bild sehr entgegengesetzter Art. Ein breiter, mit Eisschollen bedeckter Strom, eine Fähre, in welcher ich mich mit meinen Eltern, mit meiner Großmutter und drei bis vier Bootsleuten befinde, die mit langen Haken das zischende und klirrende Eis von den Seiten des Fahrzeugs wegschieben; über dem allen ein dunkler winterlicher Himmel und in meinem kindischen Herzen ein ungeheueres Wehgefühl Beide Bilder gehören zusammen. Mein dritter Geburtstag war von den Freunden meiner Eltern zugleich als Abschiedschmaus gefeiert worden; denn mein Vater früher Salzinspektor in Kydullen im ehemaligen Neu-Ostpreußen, und seit dem unglücklichen Frieden von 1807 brotlos, hatte eine Anstellung in Elbing erhalten. Meinen Geburtstag feierte man den 24. Februar; den 1. März ·schon langten wir nach einer äußerst beschwerlichen Reise in dem neuen Wohnorte meiner Familie an. Das dreijährige kleine Mädchen saß auf einem Bettsacke und verlangte unter tausend bittern Thränen nach Hause. Vergebens versuchte die selbst weinende Mutter mich zu trösten, vergebens versicherte die Großmutter, sonst die höchste Autorität meines kindischen Herzens, daß wir hier zuhause wären. Ich will mein Stühlchen, mein Bettchen, meinen kleinen Tisch, wenn wir hier zuhause sind! entgegnete ich jammernd und mein Schmerz dabei war sehr tief und sehr echt. Ich erinnere mich deutlich desselben; hat er sich doch oft noch in meinem späteren Leben wiederholt.

Fremdsein an einem Ort ist heute noch für mich das bitterste aller Gefühle. Ich bin eine Natur, die sich mit tausend Wurzeln und Ranken an das Gewohnte, Bekannte schmiegt. Ich liebe nicht bloß Personen, sondern auch Gegenden und Gegenstände, mit denen mich Erinnerungen verbinden, und muß ich sie verlassen, so leide ich, wie die Pflanze leiden mag, wenn man ihre Wurzelfäden aus der gewohnten Erde hebt. Aber dieß Leiden ist nur ein vorübergehendes, vielleicht nur ein scheinbares. Das frische Leben sendet in den neuen Boden neue Wurzeln und erstarkt bald wieder und wächst fröhlich fort. So auch ich. Das kleine freundliche Städtchen, in dem auch mein Vater seine Jugend einst verlebt hatte, war bald meine liebe liebe Heimat, und jedes Plätzchen dort ist für mich angefüllt mit theuern Erinnerungen. Schon vor dem ersten Jahre unseres Aufenthalts in Elbing, erhielt ich das schönste, was einem Kinde zutheil werden kann, ja vielleicht das schönste, was die Natur dem Menschen hier auf Erden gibt — einen Bruder. Er ist kaum vier Jahre jünger als ich, und sehr wohl erinnere ich mich der unruhigen Nacht, da er geboren ward. Die Großmamma lief eifrig aus einem Zimmer ins andere, Thüren wurden zugeschlagen, fremde Personen spukten in den nächtlichen Zimmern.

Ich konnte nicht schlafen vor all dem Geräusch und saß aufrecht in meinem Bette und las in einem Bilderbuch von Glatz, das mir ein Hausfreund unlängst geschenkt hatte. Ja, ja! ich las! Wie ich lesen gelernt, weiß ich durchaus nicht mehr, ich weiß nur, daß ichs konnte und daß es mein größtes Vergnügen war. Ich weiß dagegen sehr gut, wie ich stricken gelernt habe und erinnere mich der verschiedenen Denkzettel, die ich dabei von der Hand einer unverheirateten Tante empfing, mit bewundernswürdiger Genauigkeit. O welch eine Marter war das Strickzeug dem kleinen, überlebhaften Mädchen! Schon Nachts, wenn ich zufällig erwachte, fürchtete ich die Stunden, die ich stillsitzend am Strickzeug zubringen mußte. Ich erlernte das Stricken zwar, ich würde aber trotz aller Ohrfeigen es schwerlich jemals ordentlich geübt haben — obgleich meine Tante mich an die Stuhllehne mit einer Serviette festband, damit ich meinen Martersitz nicht verlassen konnte — wenn nicht meine Großmutter das rechte Mittel gefunden hätte, mich daran zu gewöhnen, indem sie es mir zu einer Gewissenssache machte, täglich mein Pensum zu stricken. Wie danke ich der wackern Matrone in der Erde dafür! Die Uebung in den kleinlichen mühsamen Handarbeiten ist ein so wesentliches hauptsächliches Erziehungsmittel für das Weib, und je lebhafter ein kleines Mädchen ist, desto ernster muß sie zu derselben angehalten werden. Wir sind von der Natur und durch die bürgerliche Gesellschaft bestimmt, uns mit dem Kleinlichen zu beschäftigen und aus dem Kleinlichen das Große, ja das Schönste zu erbauen, was es auf Erden gibt, das Glück des Familienlebens. Nie früh genug, nie fest genug kann dem Weibe die Achtung für die kleinen Pflichten eingeprägt werden; ihre ganze Menschenwürde beruht ja gerade auf ihnen. Ich war gewiß sehr schwer zu erziehen. So ein rechter Obenaus und Nirgendan! nicht gerade wild und jungenhaft, aber quecksilbern, ohne Ausdauer und mit einem ganz tollen Verlangen nach geistiger Nahrung.

Wehe dem Unglücklichen, der sich zu tief mit dem kleinen, munteren, harmlos scheinenden Dinge einließ: er verfiel rettungslos meinen Fragen. Ich wollte von allen Dingen die Ursache wissen und fragte ebenso eifrig, warum der Hund belle und die Katze miaue, als warum der Mond heute schmalbäckig und ein andermal rund sei? Zum Glück hatte ich in meinem Vater einen ziemlich unermüdlichen Beantworter meiner tausend Fragen, und war er in günstiger Stimmung, so pflegte er mich äußerst freundlich und für meine Verstandeskräfte passend zu belehren. Mein Vater! Friede seiner Asche! — Kinder sind die strengsten und nachsichtigsten Richter ihrer Eltern und mögen die Meinigen meine Fehler einst ebenso aufrichtig vergeben, als ich nun schon seit vielen Jahren die meines Vaters vergeben habe! Als kleines Kind liebte ich meinen Vater mit tiefster Innigkeit. Die Belehrungen, die er mir zutheil werden ließ, sein freundliches Spielen mit uns Kindern, die Märchen, die er uns erzählte, und mehr als alles dieß ein gewisses Etwas, das mich fühlen ließ, er sei nicht glücklich, erfüllte meine junge Seele mit einer leidenschaftlichen Anhänglichkeit für ihn. Man sagt, ich gleiche ihm im äußern sehr; meine Gemüths- und Geistesanlagen sind unzweifelhaft die seinigen, und wenn ich, glücklicher als er, mir Liebe und ein zufriedenes Alter errang, so habe ich wohl doppelten Grund, dem Himmel zu danken, der mir in meiner Mutter und Großmutter ein doppeltes Gegengewicht gegen meine fehlerhaften Neigungen, gegen meine rasch ins maßlose überschweifenden Phantasien und Gefühle gab. Armer Vater! auch er zählte zu jenen Naturen, die „vom Himmel die schönsten Sterne und von der Erde jede höchste Lust fordern; auch seine tiefbewegte Brust befriedigte nichts, was Nähe und Ferne ihm geben konnten,“ aber Gott hatte es nicht gewollt, daß verzeihende Liebe neben ihm stehen und ihn an ihrer sanften Hand durch alle Irrwege seines Daseins zu den heiligen Höhen der Menschheit führen sollte! — Die Ehe meiner Eltern war eine sehr unglückliche Unfriede und Armuth hatten ihre schlimmsten Schlangennester in der Familie erbaut, in der ich glühendes, phantasiereiches Kind zum Leben und Bewußtsein erwachte. Sonderbar aber — ich weiß so genau jede Stunde kindlichen Glücks, jede Stunde, da der Vater mich in sanfter Stimmung liebevoll belehrte, ich weiß, wie er mir in der Mühle am Pulvergrunde das Getriebe zeigte, wie er mir erzählte, wie viel Menschenkraft und Fleiß dazu gehöre, bis das tägliche Brot auf den Tisch kommt. Ich weiß, wie er die Buchdruckerei mit mir besuchte, die Walk- und die Sägemühlen; ich weiß, wie er mich auf den Knieen hielt und mir Bürger’s Leonore vordeklamirte, und „Knapp’, sattle mir mein Dänenroß,“ und das Abenteuer des Pfarrers Schmolke und Schulmeisters Bakel. Ich höre noch die Tone seiner meisterhaft gespielten Geige und sehe das Abendroth still und goldigklar in das Fenster schauen, an dem er mit mir stand und mir von der Größe der Schöpfung sprach. Von den Stunden seiner Aufregungen, von den heftigen Szenen des Streites, von allem Elend eines Kindes in einer Ehe ohne Friede und Liebe habe ich dagegen nur allgemeine, dumpfschmerzliche Erinnerungen.

— Meine Mutter war ein sehr schönes und gutes Wesen. Wie sehr ich auch darüber nachgrüble, ich wüßte keinen einzigen Fehler an ihr zu finden, ich müßte es ihr denn als Fehler anrechnen, daß sie Gatten und Kind nicht liebte, es mindestens nicht zeigte. Ich kann mir wohl denken, daß ich keine Tochter nach ihrem Herzen war. Sie, so schön, so frisch und zart, so zierlich, geschickt und gewandt, so stets sich gleichbleibend in unveränderter Lieblichkeit: ich, braun wie ein Zigeunerkind, mit den wunderlich hellen Augen und der ungeheuren Stirn! — Diese große Stirn, so unverhältnißmäßig zu dem übrigen kleinen Gesichtchen, war ihr stets ein besonderer Anstoß. Sie kämmte meine Haare über dieselbe und flocht sie an der einen Schläfe zusammen, gleichsam eine Binde über die Unform legend; sie schnitt einen abgescheitelten Haarstreifen so kurz, daß die Haare lose wie eine Gardine bis in die Hälfte der monströsen Stirn, ja sogar bis an die Augenbrauen flatterten; sie erfand die verschiedensten Arten von Kopfputz für mich, eine immer garstiger als die andere, bloß um das abscheuliche Ungeheuer von Stirn zu verdecken. Daß sie mich dadurch im mindesten verschönerte, glaube sich nun eben nicht; zum Glück gab es dazumal nichts, das mir gleichgiltiger gewesen wäre, als meine eigene Schönheit oder Häßlichkeit; ich dachte, wenn ich überhaupt daran dachte, es sei nun einmal meine Natur, häßlich zu sein; hätte ich meiner Mutter nur meine Stirn recht machen können, so wäre ich mit meiner Häßlichkeit vollkommen zufrieden gewesen. Mein Brüderchen, ja das war hübsch! ach und artig war es auch, und wie liebten wir uns, wie schön spielten wir miteinander, selbst während das Scharlachfieber uns in zwei kleinen Bettchen hinter einer dunkeln spanischen Wand fesselte! Mutter und Großmutter — es war die Mutter meines Vaters — bewachten und pflegten uns mit höchster Sorgfalt. Vater brachte uns Zuckersyrup und eingemachte Früchte und saß nicht selten stundenlang und las uns vor. Wie horchte ich mit gespannter Aufmerksamkeit auf jedes Wort! — Er las Gedichte von Schiller, von Mathisson, von Langbein und Bürger. Die meisten blieben von einmaligem Vorlesen in meinem eisernen Gedächtniß fest, besonders solche, deren Sinn ich gewissermaßen verstand oder mir doch nach meiner Weise erklärte.

Die gellert’schen Fabeln und unzählige Gesangbuchlieder, die meine Großmamma, zwischen meinem und August’s Bettchen sitzend, Abends zu singen pflegte, bis wir Kinder einschliefen, kannte ich alle auswendig und außer diesem allen war neben einer Menge bunt zusammengewürfelter Naturkenntnisse, die ich den Belehrungen meines Vaters dankte, noch ein ganzer Raritäten-Laden von Märchen in meinem kindischen Gehirn zusammengestapelt, die ich auflas, wo sie nur irgend zu finden waren: in Büchern, in den Erzählungen alter Muhmen, der Nähterin oder des Dienstmädchens. Ich glaube gewiß, ich kenne alle Märchen auf der Welt und noch einige darüber, denn die, welche schon damals und noch viele Jahre hindurch mein eigenes kindisches Hirn auszuhecken liebte, gehören doch auch dazu!? Ich genas vom Scharlach in den damals für das Uebel festgesetzten sechs Quarantän-Wochen; mein armes Brüderchen aber bekam einen geschwollenen Fuß und lag noch lange, der treuen Pflege unserer jugendlichen Mutter übergeben, deren unendlicher Aufmerksamkeit er es wohl allein zu danken hatte, daß er nicht, wie mehrere andere, mit ihm zugleich am nämlichen Uebel leidende Knaben, für die Zeit seines Lebens lahm wurde. Ja, sie war eine treue, ausdauernde Krankenwärterin, diese junge, schöne Mutter! Sie hatte sich mit fünfzehn Jahren verheiratet und war kaum siebzehn Jahre älter als ich, und nur zwanzig Jahre älter als mein Bruder, der ihr jüngstes Kind blieb. Wer möchte es dieser Frau verdenken, daß sie gern in Gesellschaft war? Wo sie hinkam, gefiel sie, man schätzte und liebte sie in der ganzen Welt und nur ein Mensch war oft hart bis zur Grausamkeit gegen sie — ihr eigener Gatte! Damals glaubte ich — war ich doch ein Kind! — daß dieser Gatte, von dem mein Herz sich auch allmälig abwandte, sie hasse und verfolge: ach, eine spätere Zeit hat es mir nur zu klar zur Einsicht gebracht, daß er sie innigst, leidenschaftlich liebte! Gott helfe uns armen Menschen auf Erden! die Hälfte all’ unserer bittersten Leiden beruht nur auf Mißverständnissen! — Ich selbst fing um diese Zeit an, meine Mutter mit tiefster Innigkeit, mit einer Art von Vergötterung zu lieben. Ich ging in die Schule! — Wie lebhaft tritt diese Zeit jetzt vor meine Seele! Ich saß in der untersten Klasse, die letzte aller Schülerinnen, ein bleiches, braunes, zigeunerhaftes Kind von neun Jahren, schlank wie eine Rübe, lebhaft wie eine junge Ziege und so voll von Durst nach Belehrung als nur je ein junger, strebsamer Menschengeist; aber ach! die Schule gab mir das nicht, was ich verlangte! Man belehrte mich keineswegs über das, was ich augenblicklich zu erfassen wünschte, sondern ich sollte lernen, was man mir nach Gebrauch und Herkommen bot. Hätte ich auch nur die mindeste Neigung zu eitler Selbstüberhebung gehabt, so würde ich damals, mit neun Jahren schon, mich als nicht auf meinem passenden Platze stehend gehalten haben. Ich würde der Meinung gewesen sein, mehr zu wissen, als alle meine Mitschülerinnen und einige meiner Lehrer; denn in der That war dieß in gewissem Sinne der Fall.

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