Die Lehre von Christi Person und Werk – Ernst Sartorius

D Vorwort zur ersten Auflage ie nachstehenden Vorlesungen habe ich, nach einem zu Anfang des vorigen Jahres von Herrn Professor Struve gegebenen Beispiele, zum Besten der von dem hiesigen Hilfsverein unterstützten Armen während der diesjährigen Passionszeit in dem großen Hörsaale unserer Universität vor einem aus Herren und Damen gemischten Publikum gehalten, welches ihnen bis zu ihrem Ende eine erfreuliche Teilnahme geschenkt hat. Ich gebe sie im Druck heraus, teils weil andere es gewünscht, teils weil ich selbst wünsche, dass auch in entfernteren Kreisen diese anspruchslosen Vorträge eine bestimmte und praktische Erkenntnis der eigentümlichen Heilslehren des Evangeliums bei solchen Laien befördern mögen, denen es oft weit mehr an dem rechten Wissen, als an dem guten Willen zum wahren Christentume fehlt; und deren sind in dieser Zeit mehr, als man glaubt. Die Lehre von der Menschwerdung des Sohnes Gottes habe ich darum ausführlicher behandelt, weil ich gemeinfasslich zeigen wollte, wie sein Erlösungswerk samt allen seinen Wohltaten für uns durchaus an jener persönlichen Verbindung der Gottheit mit der Menschheit in ihm beruht, und wie wesentlich praktisch und wie notwendig zum Heil deshalb jene große Lehre ist, die ein unchristlicher Rationalismus mit törichter Indifferenz zu verdrängen und der offenbaren biblischen Wahrheit entgegen zu verleugnen strebt. Zugleich wird auch jene Darstellung dazu beitragen, der Reinheit, Konsequenz und Vollendung der kirchlichen Lehre, die zwischen entgegengesetzten Irrtümern stets die allein wahre und festbestimmte Mitte behauptet, auch unter den Laien die gebührende Anerkennung zu verschaffen. Endlich wird der Druck dieser Vorlesungen ein jedes bei dem bloß mündlichen Vortrage unvermeidliche Missverständnis einzelner Stellen beseitigen, und zugleich denen, die an der Missgunst der Zeit gegen das evangelische Christentums leiden, klaren Beweis geben, dass hier keine neumodische Mystik, sondern nur das alte, gründlich bewährte Bibelchristentum unserer Väter, welches, so lange die Augsburgische Konfession besteht, allein einen rechtmäßigen Bestand in unserer Kirche hat, vorgetragen worden ist. Mögen davon auch noch so viele abgefallen sein; die Wahrheit selbst ist darum nicht gefallen, sondern wird stehen bleiben, wenn auch Himmel und Erde vergeht. Dorpat, im Mai 1831 D Vorwort zur zweiten Auflage a die erste Auflage dieser Schrift schon vergriffen ist, so folgt hier eine zweite, in der nur wenig geändert worden, um den ursprünglichen einfachen Charakter dieser Vorlesungen nicht zu verwischen. Da bisher an christlichen Lehrbüchern für Laien weit mehr Mangel gewesen ist, als an Erbauungsbüchern, so mögen sie einiges dazu beitragen, diesem für eine solide Gestaltung des christlichen und kirchlichen Lebens nachteiligen Mangel an ihrem Teile abzuhelfen. Dorpat, im September 1833 E Vorwort zur dritten Auflage s erscheint hier nach der zweiten beträchtlichen Auflage dieses Büchleins eine dritte, der ich gleichfalls den eigentümlichen Charakter von Vorlesungen, die vor einer größeren gemischten Versammlung gehalten worden sind, unverkümmert gelassen habe. Eben diese Mitte zwischen einer streng wissenschaftlichen und einer nur praktisch erbaulichen Form scheint ihm günstige Leser gewonnen zu haben, und es ist ohnstreitig so Bedürfnis als Pflicht, auch die Mittelstufen, die zwischen dem Katheder der hohen Schule und der hohen Kanzel der Kirche liegen, mit Schriften zu bedenken, die das Wissen um den Glauben auch in dem größeren Kreise der Gemeine lebendig fördern, damit einerseits die schnöde Unwissenheit des Unglaubens, die aus der Aufklärungsperiode noch in bedeutenden Resten vorhanden ist, immer mehr gebannt werde und andrerseits nicht ein spaltender Unterschied zwischen Wissenden und Glaubenden Platz greife, welcher der evangelischen Kirche nicht geziemt und leider vielfach auf eine ganz unkirchliche Gnosis hinausläuft. Während jetzt eine selbstgefällige Subjektivität sich überall gern ein Privatchristentum teils in Denk, teils in Gefühlsformen zurecht macht und deren vage Unbestimmtheit als Freiheit rühmt, ebendarum aber auch in losem Getreibe zu keiner Glaubensgemeinschaft es bringt, hebt sich über den wirren Streit individueller Ansichten das in der großen Gemeinschaft der Kirche entwickelte Erkenntnis und Bekenntnis des biblischen Christentums immer mächtiger wieder als die versöhnende Wahrheit empor, die fest und klar, so wie dem fühlenden Herzen, so auch dem denkenden Geiste, Frieden und Genüge gibt. Ihr treu zu dienen, bleibe fortwährend der Zweck und Nutzen dieser Schrift. Königsberg, im März 1837 D. Sartorius Inhaltsverzeichnis Erste Vorlesung: Einleitung, über das Verhältnis der Christologie zur Astronomie Zweite bis fünfte Vorlesung: Die Lehre von der Person Christi Zweite Vorlesung: Von der wahren Gottheit Christi und seiner Menschwerdung Dritte Vorlesung: Von der wahren Menschheit Christi und ihrer persönlichen Vereinigung mit der Gottheit Vierte Vorlesung: Von der Gemeinschaft der Eigenschaften und Zustände der göttlichen und menschlichen Natur in Christo Fünfte Vorlesung: Von dem Stande der Erniedrigung und der Erhöhung des Herrn Sechste bis elfte Vorlesung: Die Lehre vom Werke Christi Sechste Vorlesung: Von der Liebe Gottes als der Urquelle alles Heils und der Sünde, die uns des Heils verlustig macht Siebente Vorlesung: Von dem Unterschiede des Gesetzes und des Evangeliums von Christo, und der Untauglichkeit durch jenes die Seligkeit zu erlangen, wozu nur dieses führen kann Achte Vorlesung: Von der stellvertretenden Genugtuung Christi Neunte Vorlesung: Von den Gnadenmitteln, nämlich dem Worte Gottes, d. h.

der Taufe und dem h. Abendmahl Zehnte Vorlesung: Die Heilsordnung nach ihren Stufen Elfte Vorlesung: Von den drei Ämtern des Herrn Schluss D Erste Vorlesung ie Veranlassung zu diesen Vorlesungen haben mir die im vorigen Jahre von Hrn. Prof. Struve über populäre Astronomie zu demselben Zwecke und an demselben Orte gehaltenen Vorlesungen gegeben. Viele von Ihnen haben diesen ebenso lehrreichen als anziehenden Vorträgen, die uns das Himmelsgewölbe und seine kostbaren Schätze aufschlossen, gewiss mit dem höchsten Interesse beigewohnt. Ich darf hoffen, dass die geistliche Himmelskunde Ihr Interesse nicht weniger in Anspruch nehmen wird, als die physische, sondern eher, weil sie dem Herzen und Leben näher liegt, mehr. Zwar ist sie Ihnen auch von früh an weit bekannter als jene, aber sie bietet dafür auch dem Vortragenden umso mehr Anknüpfungspunkte dar. Ohnedem liegen beide Wissenschaften gar nicht so weit auseinander; im Gegenteil sie berühren sich und fallen zusammen in ihrer himmlischen Richtung. Was unser beredter Lehrer als Schlussresultat seiner vorjährigen Vorlesungen aussprach, dass nämlich die Astronomie uns die Allmacht und Weisheit Gottes in das herrlichste Licht setze, das sagt uns eben auch die heil. Schrift in den Worten des Psalms 19, 1: »die Himmel erzählen die Ehre Gottes und das Firmament verkündigt seiner Hände Werk.

« Ja wahrlich, sie erzählen uns große Dinge von Gott und geben uns eine glänzende Verkündigung seiner Herrlichkeit. Entzückt ruft daher auch der heilige Sänger in einem andern Psalme aus 104, 1 f.: »Herr mein Gott, du bist sehr herrlich, du bist schön und prächtig geschmückt; Licht ist dein Kleid, das du anhast; du breitest den Himmel aus wie einen Teppich.« Fürwahr, es ist eine gewaltige, überwältigende Predigt, die von dem gestirnten Himmel auf uns herabdringt, und die Majestät Gottes glanzvoll und herrlich uns offenbart. Die tiefste Ehrfurcht muss uns ergreifen, wenn wir aufschauen gen Himmel und das Kleid Gottes betrachten, wie es gestickt mit tausendmal tausend Sternen niederwallt vom Zenit bis zum Horizont; und diese Sterne sind nicht solche Flitter, wie sie unsere Ritter tragen, sondern es sind großmächtige Welten, brennende Sonnen, die der Allmächtige wie leichte Funken durch den Äther streut und zum kostbarsten Schmuck seines alle Räume füllenden Gewandes in den Sternbildern zusammenfügt (Hiob 38, 31), und in der Milchstraße zum prächtigsten Saum desselben verwebt. Fürwahr auch der gemeinste Sinn muss die Pracht der Brillanten Gottes bewundern, die im schönsten Feuer funkeln und jeder eine Welt wiegen und keinem Glanze weichen außer dem der Sonne. Aber diese Bewunderung der Macht und Pracht des Höchsten steigt noch weit höher, wenn der Astronom, den allmächtigen Gedanken und Gesetzen Gottes nachforschend, die wunderbare Ordnung uns enthüllt und wissenschaftlich beschreibt, wonach die ungeheuren Weltkugeln im leeren Raume entweder nur um sich selbst sich wälzend stille stehen, bloß von dem Finger Gottes gehalten, oder von seinemArm wie Spielbälle geschwungen in furchtbarer Schnelligkeit dahinrollen, und doch stets gehorsamlich in ihrer vorgeschriebenen Bahn sich halten, auch nichts verlieren von allem dem, was mit ihnen die eilige Reise durch den leichten Äther macht, und weder früher noch später, sondern immer zur rechten Zeit, zur bestimmten Stunde, ja zur bestimmten Minute und Sekunde anlangen, wo sie sollen.

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