Predigten durch ein Jahr – Martin Luther

Dieses ist ein sehr schönes Evangelium, in welchen wir sehen, was der richtige Weg, der gewisse Weg zum ewigen Leben ist. Es scheint aber, daß man dieses Evangelium auf diesen heiligen Tag der Dreieinigkeit billigt, daß so fein der Unterschied der Personen angezeigt ist, in dem höchsten und größten Werk das Gott mit uns armen Menschen handelt, daß er uns von Sünden frei, die recht und selig macht. Denn hier steht vom Vater, daß er die Welt geliebt und ihr seinen eingeborenen Sohn geschenkt hat. Das sind die zwei unterschiedlichen Personen, Vater und Sohn, eine jegliche mit ihren besonderen Werk. Der Vater liebt die Welt und schenkt ihr den Sohn; der Sohn läßt sich der Welt schenken, und, wie Christus hier sagt, läßt er sich wie die Schlange in der Wüste am Kreuz erhöhen, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Zu solchem Werk kommt danach die dritte Person, der heilige Geist, welcher durch das Wasser der seligen Taufe den Glauben im Herzen anzündet, wohl uns also eine Wiedergeburt zum Reiche Gottes schenkt. Dieses ist eine sehr tröstliche Predigt, die uns ein fröhliches Herz gegen Gott machen; darin wir sehen, daß alle drei Personen, die ganze Gottheit, sich dahin wendet und damit umgeht, daß den armen, elenden Menschen wider die Sünde, dem Tod und Teufel zur Gerechtigkeit, ewigem Leben und dem Reich Gottes geholfen werde. Wie können wir denn vor Gott unserer Sünden wegen uns fürchten? Wie können wir ein böses Herz zudem haben? Wenn er uns unserer Sünde willen verdammen wollte, wie wir immer wieder uns sorgen, besonders wenn das Stündlein kommt: so würde der Vater seinen eingeborenen Sohn nicht gegeben haben, Vater und Sohn würden uns nicht zum Bad der Wiedergeburt und unter das Heiligen Geistes Flügel gefördert haben. Also ist dieser Artikel von der Dreieinigkeit auf das schönste und freundlichste hier angezeigt. Aber davon ist in der nächsten Predigt noch genug gehandelt, wollen deswegen jetzt das Evangelium von Stück zu Stück vor uns nehmen, in welchem wir hören, wie der Herr mit Nikodemus, dem Schriftgelehrten, eine lange Diskussion hat, in welcher der alte gute Mann sich ganz und gar nicht zurecht finden dann. Wir müssen zu erst erkennen, was dem Nikodemus gehindert hat, daß er gar nicht weiß, was der Herr redet und haben will. Eine gute Sache ist es, daß Nikodemus dem Herrn nach geht, und weil er öffentlich nicht darf, geschieht dieses zur Nacht. So sehen wir an seinen Worten auch, daß er es mit dem Herrn Jesus Christus nicht übel meint, sondern sehr viel von ihm hält, ihn hält für einen besonderen Prediger, welchen Gott in die Welt gesendet und seine Lehre mit herrlichen Wunderwerken bestätigt. Solche Worte redet er nicht aus einem falschen Herzen, wie die Pharisäer, Matthäus 22,16: «Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht du.» Nein, wie es Nikodemus redet, so meint er es auch in seinem Herzen, daß unser lieber Herr Jesus Christus muß ein besonderer und teurer Lehrer sein, weil Gott mit so trefflichen Wunderzeichen seine Lehre bestätigt.

Dieser Gedanke gefällt unseren Heiland wohl. Darum, weil Nikodemus ihn viel den höchsten Lehrer rühmt: also will er ihnen jetzt dafür die höchste Predigt halten, vor dem höchsten und größten Werk, wo man von predigen kann, nämlich, wie man das Reich Gottes sehen könne, das ist, wie man könne von Sünden los werden, zu Gottes Reich kommen und das ewige Leben erlangen. Denn dieses ist die Predigt, welcher allein der Sohn Gottes vom Himmel zu uns auf Erden gebracht hat, wie Johannes sagte: «der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hatten es verkündigt.» Das ist wahr, daß alle Welt je und je sich damit bekümmert, und sich besonderer weisen und Wege gemacht und ausgedacht hat, selig zu werden. Denn Nikodemus selbst kommt mit den Gedanken, er wisse, Gott Lob! Auch ohne Christum, wie er solle und könne selig werden. Meint, weil er ein Jude ist und das Gesetz hat, habe er den Vorteil, der könne wissen, was er tun soll, wenn er Gott zu gefallen leben und den besten Gehorsam erzeigen. An diesem meint er, hat der genug, denkt nicht, daß es eine ganz anderer Meinung hat, wie er jetzt von Christus hören wird. Wie wir auch an den Katholiken sehen. Wenn ein Mönch es soweit bringt, daß er seinem Orden oder Kloster genug bringt, so denkt er, er säße schon bei Gott im Schoß, wie der Pharisäer in Lukas 18. Kapitel, der sein Fasten, Zehnten geben und andere gute Werke rühmt.

In der Summe, die Menschenherzen sind so gestaltet. Wenn sie sich fürchten und entsetzen, wenn sie ihre Sünde fühlen: also trauen und hoffen sie, sie sind mit Gott wohl dran, wenn sie äußerlich fromm, und keine bösen Taten haben, wo durch ihr Gewissen erschreckt und zaghaft wird. Darum nimmt sich einer dies, jener ein anderes vor, jeder wie es ihn am besten gefällt, womit er meint vor Gott bestehen zu können. Der Jude hat seinen Mose, ein Mönch sein Kloster. Wir sind alle in dem Wahn, wenn wir die Zehn Gebote halten, so hätten wir keine Not vor Gott. So denkt Nikodemus auch. Aber weil er Christus für einen hohen, besonderen Prediger hält, will Christus sich also gegen ihn beweisen und gibt ihm diesen Unterricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sei denn, daß jemand von neuem geboren werden, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nun, hier steht der Handel mit klaren, runden Worten, und Christus läßt sich hier hören als ein besonderer Lehrer; denn so etwas hat Nikodemus zuvor nicht gehört, darum versteht er es auch nicht. Dieses aber versteht er wohl, daß er noch nicht wiedergeborenen ist. Wie er aber zur Wiedergeburt kommen soll, davon weiß er nichts.

Da denke nun du auch drüber nach, was doch unser Heiland mit diesem Spruch will. Denn so man das Reich Gottes nicht sehen kann, man sei erst wieder geboren: daraus folgt ja, daß wir, geboren sind, mit Vernunft, freien Willen, mit dem Gesetz und allen guten Übungen, welche beides die Vernunft und der Wille kann erfüllen, müssen verdammt sein; dieses alles hilft nicht zum Reiche Gottes. Was ist aber das für ein jämmerlicher Handel, daß man die Leute von dieser Wiedergeburt nichts lehrt, sondern zeigt ihnen bloß, wie der Papst tut, auf eigene Werke, daß sie dadurch selig werden sollen? Wie reimt sich diese Lehre mit Christus hier? Sie sprechen: gute Werke machen selig. Christus spricht: bist du nicht wieder geboren, so wirst du nicht selig. Nun ist es aber wahr und kann man nicht leugnen, daß ein Mensch selbst und aus eigenen Kräften, wie man an den Heiden sieht, die sich zur Zucht, Ehrbarkeit und Tugend gewöhnen. Wie man sieht, daß nicht alle Menschen Mörder, Ehebrecher, Hurer, Diebe, Weinsäufer, Müßiggänger sind, sondern viel frommer, ehrbare Leute vor der Welt sind. Solches sind alles herrliche, schöne Tugenden und Werke, da zu man auch jedermann anhalten soll; denn Gott fordert dieses in den zehn Geboten. Aber das ist beschlossen, es können so viel gute Tugenden und gute Werke sein wie sie wollen, ist die Wiedergeburt nicht da, so gehört alles an Tugenden und Werken zum Teufel und in die Hölle. In den Himmel und in das Reich Gottes geht es dadurch nicht. Dieses sagt Christus selbst und es soll niemand daran zweifeln.

Die Vernunft aber ist gefangen, die Vernunft redet, Stehlen, Morden, Ehebrechen mißfällt Gott und er straft es, da muß man ja denken, daß, wenn man diese Sünden meidet es Gott wohl gefällt und er es belohnt, sonst spricht die Vernunft, müßte Gott ungerecht sein. Nun ist es wahr, es gefällt Gott wohl, solche und andere Sünde zu meiden und Gutes zu tun, dieses will er auch nicht unbelohnt lassen. Aber das Himmelreich sehen, da gehört etwas anderes und größeres zu, nämlich, daß man, wie hier steht, anders geboren werde. Darum ist Gott dem Pharisäer in Lukas 18., nicht darum Feind, daß er kein Räuber, kein Ehebrecher noch Ungerechter ist, wie andere Leute, daß der fastet und den zehnten gibt, solches läßt sich Gott wohl gefallen, wo nicht die schändliche Untugend daran hinge, daß er meinte, er würde dadurch in den Himmel kommen, meint auch er wäre viel besser als andere Sünder. Darum ist es hier beschlossen: Vernunft ist ein edel, köstliches Ding, der Willen zum guten ist auch sehr edel und ein köstliches Ding, daß Gesetz und die Zehn Gebote, ein feiner, ehrbarer Wandel sind alles herrliche, große gaben, wofür man Gott danken soll: aber wenn man vom Reich Gottes sagt, wie man dazu kommen soll, da hilft weder Vernunft, Wille, Gesetz, oder andere gute Werke zu; allein das macht es, daß man von neuem geboren wird; anders kann man das Reich Gottes nicht sehen, sondern man muß mit Vernunft, freien Willen, Gesetz und zehn Geboten verdammt sein und bleiben. Ja, sprichst du, so will ich besser gar nichts Gutes tun? Nein, das taugt auch nicht, und wird dir mit dieser Weise das Gericht Gottes nur noch schwerer werden. Darum tue beides, übe dich, die Zehn Gebote zu halten, und bekenne doch mit rechtem Ernst daneben, daß du ein armer Sünder bist, der wegen seines Tuns wegen ewig müßte verdammt sein. Danach wäre uns am Heiland Christo weiter zu, wie er wiederum tröstet, nachdem er, unserer ersten Geburt wegen, uns die Seligkeit so einfach abgesagt hat. Nikodemus fühlt das harte Urteil sehr wohl, er denkt sich, was doch die Wiedergeburt sei, und merkt, daß er in leiblicher Weise nicht noch einmal wieder geboren werden kann von Vater und Mutter, fragt deshalb, wie so etwas zu gehen soll? Denn daraus kann ja nichts werden, spricht er, daß ich noch einmal in meiner Mutter Leib kriechen und auf ein neues sollte geboren werden.

Mit solcher Frage bringt er unseren Heiland dahin, daß er lehrt, wie die Wiedergeburt zugehen muß, und spricht: «Wahrlich, wahrlich, die sage dir, es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.» Hier spricht unser Heiland ein Urteil gegen die erste Geburt, daß diese fleischlich und voller Sünden ist, und zum Reich Gottes nicht gehört. Als wollte er sagen: du fragt, ob du von deiner Mutter anders geboren werden müßtest. Wenn du tausendmal anders von deiner Mutter geboren würdest, so wärest du und bliebest der alte Nikodemus. Von Fleisch denn nichts denn Fleisch geboren werden. Darum gehört zu dieser Wiedergeburt nicht Vater und Mutter, wie beide Fleisch und voll Sünden sind; sondern es gehört dazu Wasser und Geist. Wer also wieder geboren ist, der ist ein neuer Mensch und wird in das Reich Gottes kommen. Dieses werde ohne Zweifel den Nikodemus ein sehr lächerlicher Handel gewesen sein, er wird gedacht haben: nun, soll es meint Vernunft und Wille, und auch das Gesetz und Mosel nicht können, und das Wasser vermag es: was ist dies für eine Meinung? Hier wird der gute Mann so irre, daß er nicht weiß, was er sagen soll, wohl muß frei bekennen, daß er kein Mord versteht, obwohl er Mose und die Zehn Gebote sehr gut versteht, deswegen meint er auch er sei ein großer Lehrer. Laßt uns nun die Worte fleißig merken und den Handel gut zusammen fassen.

Beschlossen ist es, gute Werke sollen wir tun, und uns im Gehorsam des Gesetzes üben; aber dadurch sehen wir das Reich Gottes nicht. Wollen wir es aber sehen, so müssen nicht unsere Werke, sondern es muß ein anderer und neuer Mensch werden. Dieses geschieht nicht durch die leibliche Geburt, sondern durch Wasser und Geist; dieses sind die rechten Vater und Mutter zu dieser neuen Frucht Das Wasser nun ist anderes nichts, als die heilige Taufe. Denn also spricht Christus, Markus im 16. Kapitel, Vers 16: «wer glaubt rund getauft wird, der wird selig.» Nun aber hat das Wasser solche reine Kraft nicht von Natur aus. Denn Wasser ist Wasser, das ist, ein Element und Kreatur, die für sich selbst das Herz nicht rühren rund nicht ändern kann, oder die Sünden ab waschen kann. Kleider, und was Unflat an der Haut ist, kann man mit Wasser reinigen und säubern; aber die Seele läßt sich durch Wasser nicht rühren noch reinigen. Das Wasser aber, wovon der Herr hier spricht und wir dazu Taufwasser sagen, ist nicht ein bloßes, natürlich es Wasser; sondern es ist ein Wasser, da Gottes Worte, Befehl und Verheißung drin ist. Da kommen zwei Dinge zusammen, Wasser und Wort, rund werden so ineinander gefügt, daß man keines vom anderen Abschneiden kann.

Tust du das Wort vom Wasser, so hast du keine Taufe; tust du das Wasser vom Wort, so hast du auch keine Taufe. Wenn aber Wasser und Worte zusammen bleiben, da ist dann ein solches Wasser, in welchem der heilige Geist ist, und durch dasselbe wirst du zum Reich Gottes wieder geboren, das ist, dir deine Sünde vergeben und dich selig machen will. Darum sollen wir diesen Spruch fleißig merken, hauptsächlich gegen das blinde Volk der Wiedertäufer, welche die Kindertaufe für untüchtig und unfruchtbar achten. Aber wie kann diese Taufe untüchtig sein, so du hier hörst, daß Christus das Wasser dazu auch wird, daß es zur Wiedergeburt durch die Mitwirkung des heiligen Geistes helfen soll? So nun die Kinder bedürfen, daß sie wieder geboren werden, und sonst das Reich Gottes nicht sehen können: warum wollte man doch ihnen die Taufe verweigern? Oder es dafür halten, als sollte solches Wasser, so in Gottes Worte gefaßt und mit Gottes Wort verbunden ist, ihnen zur Wiedergeburt nicht hilfreich sein? Ist es nicht wahr, daß die Worte Christi uns dahin dringen, wer wieder geboren werden will, der muß durch das Wasser wieder geboren werden? Also, obwohl das Wasser ohne den heiligen Geist nichts schafft, so will dennoch der heilige Geist seine Wirkung ohne daß Wasser in uns nicht haben. Deswegen ist es ein schrecklicher großer Irrtum, daß an etlichen Orten etliche Prediger die Kinder ohne Wasser gekauft haben. Denn soll die Taufe richtig sein und der Mensch zur Wiedergeburt kommen, so muß nicht allein Wort, nicht allein Geist, sondern auch Wasser dabei sein. Denn so hat es Christus hier geordnet, und dieser Ordnung soll niemand brechen.

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